言葉 · Kotoba — Worte

Worte, die Narben getragen
und Wege gebaut haben

Zitate, die mich und mein Wesen geprägt haben · ~ 12 Min. Lesezeit · sehr persönlich

Manche Menschen sammeln Bücher. Andere Erinnerungen.
Ich glaube, ich sammle Sätze.

Nicht diese perfekten Kalendersprüche, die man einmal liest und danach vergisst. Sondern Worte, die sich irgendwo festsetzen. Worte, die bleiben. Wie kleine Splitter unter der Haut. Manchmal schmerzhaft. Manchmal tröstend. Manchmal wie ein Spiegel, in den man erst Jahre später wirklich hineinschauen kann.

Es gibt Zitate, die mich nicht einfach inspiriert haben. Sie haben mich begleitet. Durch Verlust. Durch Wut. Durch Schuld. Durch Wachstum. Durch all die Momente, in denen das Leben entschieden hat, nicht sanft zu sein.

Und vielleicht sind genau diese Worte ein Teil davon geworden, warum ich heute der Mensch bin, der ich bin.

Dieses Zitat traf mich schon in jungen Jahren wie ein Schlag in die Brust. Und bis heute hat es mich nie losgelassen.

Ja, ich kenne Wut. Ja, ich kenne Trauer. Und ja, ich kenne das Gefühl, von Menschen enttäuscht oder verletzt worden zu sein.

Aber Hass?

Hass fühlte sich für mich immer wie eine Form der Selbstaufgabe an. Denn Hass frisst nicht nur den Menschen, auf den er gerichtet ist. Er frisst zuerst den, der ihn trägt. Langsam. Leise. Wie Rost unter schwarzer Farbe.

Ich wollte mich nie aufgeben.

Ich wollte verstehen. Lernen. Wachsen. Selbst dann, wenn das Leben mich durch dunkle Räume geschickt hat. Vielleicht sogar gerade dann.

Denn wenn ich ehrlich bin, habe ich aus den schwierigen Zeiten am meisten gelernt. Nicht aus den einfachen. Nicht aus den schönen Momenten. Wachstum kam oft aus Schmerz. Aus Fehlern. Aus Rückschlägen. Aus Momenten, in denen ich am Boden lag und trotzdem wieder aufstehen musste.

Nicht weil ich stark sein wollte.
Sondern weil ich nicht dort liegen bleiben wollte.

Bis heute treiben mir diese Worte Tränen in die Augen.

Als ich diesen Film zum ersten Mal sah, steckte ich mitten in einer schmutzigen Scheidung. Zum ersten Mal in meinem Leben wurde ich bewusst mit etwas konfrontiert, das grösser war als ich selbst. Da war plötzlich nicht mehr nur Alltag. Nicht mehr nur Funktionieren.

Da war Schmerz.

Und da war die Entscheidung:

Zerbreche ich daran? Oder stehe ich wieder auf?

Einige Jahre später verlor ich meine Partnerin. Und mit ihr auch das Kind, das sie in sich trug.

Das war der Moment, der mir endgültig den Boden unter den Füssen weggezogen hat.

Ich weiss noch, wie sie in meinen Armen lag. Wie die Zeit plötzlich stillstand. Wie ich einfach nur dastand, unfähig zu reagieren, bis der Krankenwagen und ihre Eltern kamen. Dieses Gefühl von Hilflosigkeit hat sich tief eingebrannt.

Ihre Eltern haben mir nie die Schuld gegeben.
Ich mir selbst dafür umso mehr.

Jahre lang.

Vielleicht kennen manche dieses Gefühl. Dieses ständige „Was wäre wenn?". Dieses innere Gericht, das nie schläft. Diese Stimme, die immer wieder sagt: Du hättest mehr tun müssen.

Diese Zeit hat mich zerstört. Aber sie hat mir gleichzeitig auch die Kraft gegeben, mich meiner Drogensucht zu stellen und meinen Weg daraus zu finden.

Nicht plötzlich. Nicht heroisch.
Schritt für Schritt.

Und irgendwann kam der Moment, an dem ich mir selbst vergeben konnte. Nicht vergessen. Aber Frieden schliessen.

Manche Narben verschwinden nie.
Aber sie müssen auch nicht verschwinden,
um weiterleben zu können.

Dieses Zitat beschreibt mein Leben wahrscheinlich mehr als jedes andere.

Das Leben hat mich oft zu Boden geschickt.

Auch gesundheitlich gab es Momente, die alles verändert haben. Der Tumor in meinem Kopf war einer davon. Plötzlich wird Zeit greifbar. Zerbrechlichkeit wird real. Man beginnt anders zu denken. Anders zu fühlen. Anders zu leben.

Und trotzdem gehe ich weiter.

Nicht, weil ich keine Angst habe. Nicht, weil ich unverwundbar bin. Sondern weil ich gelernt habe, dass Weitergehen manchmal die mutigste Entscheidung überhaupt ist.

Ich kämpfe nicht mehr gegen die Welt.
Ich kämpfe für mich selbst.

Dieses Zitat hat mich viele Jahre begleitet, bevor ich überhaupt verstanden habe, warum.

Heute verstehe ich es.

Denn oft haben Menschen mir gesagt, dass ich eine besondere Ruhe ausstrahle. Dass ich Präsenz in einen Raum bringe, ohne laut sein zu müssen. Dass man sich neben mir sicher oder verstanden fühlt.

Und lange konnte ich das selbst nicht sehen.

Vielleicht weil viele von uns gelernt haben, sich klein zu machen. Nicht aufzufallen. Nicht „zu viel" zu sein. Sich anzupassen, damit andere sich wohler fühlen.

Doch irgendwann begriff ich:

Licht kleiner zu machen hilft niemandem.

Und damit meine ich nicht Ego. Nicht Überheblichkeit. Nicht dieses künstliche „höher, schneller, besser".

Ich meine Authentizität.

Wenn ein Mensch beginnt, wirklich er selbst zu sein, verändert das oft auch die Menschen um ihn herum. Nicht durch Druck. Sondern durch Präsenz. Durch Ehrlichkeit. Durch Ruhe. Durch echtes Zuhören.

Vielleicht konnte ich genau deshalb Menschen etwas mit auf ihren Weg geben, ohne es bewusst zu planen. Nicht weil ich perfekt bin. Sondern weil ich selbst gefallen bin und gelernt habe, wieder aufzustehen.

Menschen spüren Echtheit.
Immer.

Dieses Zitat beschreibt heute wahrscheinlich am meisten meinen Weg.

Ich weiss, was gestern war.
Ich weiss nicht, was morgen kommt.

Aber ich weiss, was ich heute tue.

Und genau darin liegt für mich Frieden.

Ich lebe nicht mehr dauerhaft in der Vergangenheit. Ich besuche sie manchmal bewusst, um Dinge zu verstehen, abzuschliessen oder aus ihnen zu lernen. Aber ich wohne nicht mehr dort.

Genauso lebe ich nicht nur für die Zukunft. Natürlich habe ich Ziele. Natürlich habe ich Visionen. Sie geben meinem Weg Richtung. Aber wenn man nur noch auf „irgendwann" wartet, verpasst man das Leben, das gerade passiert.

Das Heute ist kein Warteraum.

Also versuche ich, bewusst im Jetzt zu leben.

Denn genau dort entsteht echtes Leben.
Nicht gestern. Nicht morgen. Sondern hier.

Jetzt.

Vielleicht sind es am Ende genau diese Worte, die mich geprägt haben, weil sie nicht perfekt sind. Sondern ehrlich.

Und vielleicht tragen wir alle irgendwo einen Satz in uns, der uns einmal aufgefangen hat, als das Leben zu schwer wurde.

Einen Satz,
der geblieben ist.

Für mich waren es diese.

Euer
— Stjepan

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