入 · Das Werkzeug soll nicht im Weg stehen
Es gibt diese schöne romantische Vorstellung, dass die Kamera eigentlich egal ist. Dass nur das Auge zählt. Das Licht. Der Moment. Die Idee.
Und ja, da ist viel Wahres dran.
Aber ganz ehrlich: Wenn dir eine Kamera nicht in der Hand liegt, wenn du mit dem Bedienfeld kämpfst, wenn du ständig überlegen musst, wo welcher Knopf ist und wie du jetzt diese eine Einstellung veränderst, dann steht dir die Technik im Weg. Dann wird aus Fotografie kein Flow, sondern ein kleines Menü-Gemetzel.
Ich habe das selbst erlebt. Mehr als einmal.
Hardware macht keine guten Bilder allein. Aber wenn sie nicht zu dir passt, kann sie dir den Weg zum Bild ordentlich verknoten.
始 · Mein Anfang mit Canon
Meine erste Kamera war eine Canon EOS 350D. Damals noch ganz klassisch mit Standardobjektiv. Ich hatte Feuer im Kopf, Bilder im Bauch und ehrlich gesagt noch nicht besonders viel Ahnung davon, was ISO, Blende, Verschlusszeit, Tiefenschärfe und Brennweite wirklich miteinander anstellen.
Aber ich wollte fotografieren.
Mein erstes Objektiv, das ich mir dann wirklich gegönnt habe, war ein 12–24 mm mit durchgehender Blende 5.6. Damals dachte ich: Weitwinkel, cool, das muss gut sein. Von lichtstarken Objektiven, offener Blende, Bokeh oder davon, was ein Objektiv bei wenig Licht leisten kann, hatte ich noch nicht wirklich eine Ahnung.
Dementsprechend waren die Ergebnisse auch nicht immer das, was ich im Kopf gesehen habe.
Aber genau so lernt man. Nicht durch perfekte Ausrüstung, sondern durch Reibung. Durch Fehler. Durch Bilder, die irgendwie nicht funktionieren, obwohl man so sicher war, dass sie funktionieren müssten.
Die erste Kamera ist selten die grosse Liebe. Oft ist sie eher der Fahrlehrer mit zu vielen Pedalen.
探 · Wenn die Kamera nicht zu dir passt
Mit der Zeit merkte ich: Die Canon liegt mir nicht wirklich. Nicht falsch verstehen, Canon baut gute Kameras. Aber für mich fühlte es sich nicht richtig an.
Die Kamera lag mir nicht gut in der Hand. Das Bedienfeld war nicht meines. Die Wege durch die Einstellungen waren für meinen Kopf irgendwie nicht logisch. Ich hatte ständig das Gefühl, gegen die Kamera zu arbeiten statt mit ihr.
Und irgendwann ging sie kaputt.
Manchmal sind kaputte Dinge ja auch kleine Türen.
Ein Kollege vermachte mir danach eine alte Nikon. Ich weiss heute nicht mehr ganz genau, welches Modell es am Anfang war, aber ich erinnere mich sehr klar an das Gefühl: Das liegt mir besser.
Plötzlich war da weniger Kampf. Weniger Suchen. Mehr Gefühl.
流 · Nikon: Der erste richtige Flow
Mit Nikon begann für mich eine neue Phase. Ich arbeitete mich weiter ein, fing mit Studiofotografie an und merkte: Diese Kamerasprache verstehe ich besser.
Später kam die Nikon D90 dazu. Für mich war sie damals ein wichtiger Schritt. Keine perfekte Kamera, keine Profi-Maschine, aber ein Werkzeug, mit dem ich viel lernen konnte.
Irgendwann habe ich dann Geld zusammengespart und mir die Nikon D850 gekauft. Und diese Kamera war lange Zeit ein echtes Arbeitstier für mich. Robust, zuverlässig, stark. Ich kaufte verschiedene Objektive dazu, fotografierte viel und hatte die Kamera ständig bei mir.
Bis irgendwann der kreative Kollaps kam.
倦 · Der grosse Fotokoller
Es gab eine Phase, da wollte ich nicht mehr fotografieren.
Nicht ein bisschen weniger. Nicht nur eine Pause. Sondern wirklich: weg damit.
Ich verkaufte meine komplette Ausrüstung. Rückblickend viel zu günstig, absolut unter Marktwert. Aber in diesem Moment war mir das egal. Ich wollte sie einfach nicht mehr sehen. Ich wollte frei sein von Kamerataschen, Objektiven, Technik, Erwartungen und diesem inneren Druck, immer wieder Bilder machen zu müssen.
Manchmal verkauft man nicht nur Dinge. Man verkauft auch einen Teil der Überforderung mit.
Und dann war Ruhe. Für eine Weile.
Wenn ein kreativer Kollaps kommt, hilft manchmal nicht noch mehr Ausrüstung. Manchmal hilft Abstand. Und manchmal darf eine Tasche auch einfach leer sein.
戻 · Die Rückkehr zur Fotografie
Zwei, drei Jahre später kam das Verlangen zurück.
Nicht laut. Eher leise. Wie ein Lichtstrahl, der unter einer Tür durchkriecht.
Ich merkte: Da ist noch etwas. Da ist noch ein Blick in mir. Da sind noch Bilder. Da ist noch dieser Drang, Menschen, Licht, Schatten und Stimmungen festzuhalten.
Aber diesmal wollte ich es anders machen.
Ich wollte nicht einfach irgendeine Kamera kaufen. Ich wollte testen. Anfassen. Ausprobieren. Schauen, was zu mir passt. Nicht nur auf technische Daten achten, sondern auf das Gefühl in der Hand. Auf die Bedienung. Auf die Frage: Arbeitet diese Kamera mit mir oder gegen mich?
Und dann kam die Sony A7 in meine Hände. Meine erste spiegellose Systemkamera. Und da war es wieder. Dieses Gefühl: Ja. Das ist es.
合 · Warum ich bei Sony geblieben bin
Seit dieser ersten Sony arbeite ich mit Sony. Und sehr wahrscheinlich werde ich das auch so lange tun, bis ich irgendwann mit einer Kamera in der Hand umfalle.
Nicht, weil andere Marken schlecht wären. Überhaupt nicht. Canon, Nikon, Fuji, Panasonic, Leica und all die anderen haben wunderbare Werkzeuge.
Aber Sony passt zu mir.
Die Kamera liegt mir. Die Bedienung passt zu meinem Kopf. Die Art, wie ich arbeite, wie ich Licht suche, wie ich Menschen führe und wie ich während eines Shootings reagiere, funktioniert mit diesem System.
Und genau darum geht es bei Hardware.
Nicht darum, was im Internet gerade
als beste Kamera gefeiert wird.
Sondern darum, welches Werkzeug
dir hilft, deine Bilder zu machen.
眼 · Meine wichtigsten Objektive
Nachdem ich bei Sony angekommen war, begann ich, mir gezielt Objektive für meine Arbeit zu kaufen.
Eines der ersten war das Sigma 35 mm Art mit Blende 1.4. Und dieses Objektiv liebe ich bis heute. Gerade bei meinen Shibari-Arbeiten hat es für mich eine ganz besondere Wirkung.
35 mm sind nah genug, um Intimität zu zeigen. Weit genug, um Raum, Körper und Seil mit einzubeziehen. Und mit Blende 1.4 entsteht eine Schärfe und Freistellung, die ich einfach wunderschön finde. Dieses Spiel zwischen Fokus und Verschwimmen, zwischen klarer Linie und weichem Raum, passt sehr stark zu meiner Art der Fotografie.
Dazu kam später ein Samyang 18 mm 2.8. Ein kleines, leichtes Weitwinkel, das für gewisse Situationen spannend ist, wenn ich mehr Raum brauche oder bewusst mit Nähe und Perspektive spielen will.
Und dann kam irgendwann dieses eine Objektiv, bei dem ich schon beim Lesen dachte: Das muss ich haben.
Das Tamron 35–150 mm mit Blende 2.0 bis 2.8.
常 · Mein Immer-drauf-Objektiv
Das Tamron 35–150 mm ist im Moment mein absolutes Immer-drauf-Objektiv. Ich mache damit wahrscheinlich 95 Prozent meiner Shootings.
Warum?
Weil es für meine Arbeit eine riesige Lücke schliesst. Ich kann damit relativ weitwinklig arbeiten, aber auch sehr schnell in den Portraitbereich gehen. Ich kann Nähe zeigen, Details holen, Menschen freistellen, Momente einfangen und muss nicht ständig Objektive wechseln.
Gerade bei Outdoor-Shootings und Studioarbeiten ist das Gold wert. Wenn ich mit Menschen arbeite, will ich im Kontakt bleiben. Ich will nicht ständig die Verbindung unterbrechen, nur weil ich jetzt das Objektiv wechseln muss. Ich will reagieren können. Auf eine Bewegung. Auf einen Blick. Auf Licht, das gerade für ein paar Sekunden perfekt durch den Raum fällt.
Das 35–150 mm gibt mir genau diese Freiheit.
Es ist kein kleines Objektiv. Es ist kein federleichter Spaziergang. Aber es ist für mich ein Werkzeug, das unglaublich viel abdeckt und mir erlaubt, im Shooting zu bleiben.
Ein gutes Immer-drauf-Objektiv ist nicht das perfekte Objektiv für alles. Es ist das Objektiv, das dich während der Arbeit am wenigsten aus dem Moment reisst.
愛 · Und trotzdem: Das 35 mm bleibt Liebe
Bei Shibari-Shootings greife ich aber sehr oft wieder zum Sigma 35 mm Art 1.4.
Da geht es weniger um Flexibilität und mehr um Gefühl.
Das 35 mm zwingt mich, mich zu bewegen. Ich kann nicht bequem zoomen, ich muss mit meinem Körper arbeiten. Näher ran. Weiter weg. Die Perspektive bewusst suchen. Und genau das mag ich.
Bei Shibari geht es für mich nicht nur um das Abbilden einer Fesselung. Es geht um Stimmung, Spannung, Nähe, Ruhe, Dominanz, Hingabe, Körperlinien und Atmosphäre.
Und da hat das 35 mm für mich etwas sehr Ehrliches. Es ist direkt. Es ist intim. Es lässt Raum, aber versteckt sich nicht.
勧 · Meine Empfehlung an Einsteiger
Wenn mich heute jemand fragt, welche Kamera er oder sie kaufen soll, dann sage ich selten sofort ein konkretes Modell.
Meine Empfehlung ist viel einfacher: Nimm dir Zeit.
Geh in Fotofachgeschäfte. Nimm Kameras in die Hand. Schau nicht nur auf Testberichte. Schau, wie sich die Kamera anfühlt. Kommst du an die Knöpfe? Verstehst du das Menü? Fühlt sich der Griff gut an? Hast du Lust, mit dieser Kamera loszuziehen?
Denn die beste Kamera bringt dir nichts, wenn du sie nicht gern benutzt.
| Frage | Warum es wichtig ist |
|---|---|
| Liegt sie gut in der Hand? | Nicht nur für fünf Sekunden. Stell dir ein ganzes Shooting damit vor. |
| Findest du die wichtigsten Einstellungen schnell? | ISO, Blende, Verschlusszeit, Fokusmodus und Weissabgleich sollten keine Schatzsuche sein. |
| Passt das Objektiv-System zu deiner Arbeit? | Eine tolle Kamera bringt wenig, wenn die passenden Objektive unbezahlbar oder unpraktisch sind. |
| Macht sie Lust aufs Fotografieren? | Das ist kein Luxusargument. Motivation ist Treibstoff. |
Frag auch in kleinen Fotofachgeschäften nach, ob du eine Kamera kurz ausprobieren darfst. Oft sind genau diese Läden Gold wert, weil dort Menschen arbeiten, die nicht einfach nur verkaufen wollen, sondern wirklich beraten können.
Mein Fotogeschäft des Vertrauens ist Foto Basler in Aarau. Für diesen Laden lege ich meine Hand ins Feuer. Genialer Service, ein starkes Team und Menschen, die verstehen, dass Fotografie mehr ist als nur technische Daten auf einem Preisschild.
具 · Am Ende zählt das Werkzeug, das dich nicht stört
Hardware macht keine guten Bilder allein.
Aber schlechte oder unpassende Hardware kann gute Bilder verhindern.
Für mich ist eine Kamera dann richtig, wenn ich sie während des Fotografierens vergesse. Wenn sie nicht zwischen mir und dem Menschen vor der Kamera steht. Wenn ich nicht kämpfen muss. Wenn der Weg vom Gefühl zum Bild möglichst direkt wird.
Meine Reise ging von Canon zu Nikon, von Nikon in eine Pause, von der Pause zurück zu Sony.
Und heute weiss ich: Es war nicht nur eine Reise durch Kameramarken. Es war eine Reise zu meinem eigenen Arbeiten. Zu meinem Blick. Zu meiner Art, Licht zu bändigen.
Die Kamera ist nicht das Bild.
Aber sie kann die Brücke sein,
über die dein Blick
endlich sauber rüberkommt.
— Stjepan